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Hey! Willkommen zurück im „langsamen Internet“.

Mach dich schon einmal darauf gefasst, dass ich dich gleich hier rauswerfen werde, ja? Es ist 20:34 Uhr. Ich sitze in Südtirol auf den Stufen vor meiner Pension und beobachte aus dem Augenwinkel das Wetterleuchten hinter den Bergen. Mein heller Bildschirm zieht die Insekten an, aber ich schaffe ich es schon seit über einer Stunde, die juckenden Stiche an meinen Beinen zu ignorieren. (Definiere Erwachsen Sein!) Es ist einer von diesen Sommerabenden, an denen man einen melancholischen Song laut aufdrehen und in Dauerschleife hören und sonst gar nichts tun will. Es ist der 8. August, es ist der 49. Tag des Sommers, es ist höchste Zeit, alles stehen und liegen zu lassen.

Wenn du nicht längst dabei bist, ist jetzt der Moment, dich in diesen Sommer zu stürzen – ins kühle Nass, in den hotten Crush. Draußen-Flecken sammeln in dem Buch, das du gerade liest, und auf der Hose, in der man den grünen Hügel da hinten so herrlich runterrollen kann, warum denn nicht! Postkarten schreiben (das geht auch von zuhause aus), Sonnenschutz verstehen, freihändig Fahrrad Fahren, Side Quests ausdenken, triefende Pfirsiche essen und erst recht ein zweites Eis, To-Dos so lange aufschieben, bis sie unwichtig werden.

Ich will nicht, dass du FOMO hast oder das Gefühl, diese Jahreszeit möglichst voll packen zu müssen, im Gegenteil: Zeit wird mehr, wenn man sie weniger füllt. Du musst nicht mitmachen, du kannst auch nur mitlesen, lauschen, staunen, dich zurücklehnen, diese warme Luft wahrnehmen und ein paar Momente wie innere Schnappschüsse speichern, die dich in einigen Wochen durch die ersten grauen Tage tragen.

Sommer ist wie keine andere Jahreszeit dafür da, die Sinne aufzuspannen und die kleinen Dinge zu romantisieren.

Offline-Leben

  • Man sollte sich viel öfter mal für eine kleine Weile vorm Standesamt auf die andere Straßenseite stellen und vom Glück der Verliebten anstecken lassen.

  • A. hat sich Botox spritzen lassen und muss jetzt auf dem Rücken schlafen. Ich bin hin- und hergerissen zwischen Dankbarkeit, dass sie es für uns beide ausprobiert hat, und dem Was-soll’s-Moment, es dann jetzt halt auch zu machen.

  • Eigener Eisdielenschlangen-Small-Talk < Eisdielenschlangen-Small-Talk von anderen mithören

  • Auf einen Absacker mit Frau Rio, die gerade Brotscheiben gestempelt hat.

  • Für diesen Film lohnt sich die Suche nach einem klimatisierten Kinosaal, versprochen!

  • Nachdem er den tropfnassen Poncho aufgehängt hat, erzählt N. mir von schlauen Affen in Indonesien. Sie hätten gelernt, Touristen zu beklauen und das Diebesgut dann bei ihnen gegen etwas zu essen einzutauschen. Und nicht nur das: Sie wüssten inzwischen auch, welche Gegenstände den Menschen besonders wertvoll sind. „Handys natürlich, aber sie können auch zwischen Sonnenbrillen und normalen Brillen mit Stärke unterscheiden. Für welche würdest du eher einem Makaken hinterherrennen und Tollwut riskieren?“

  • 2 String Tangas kaufen und sich wie eine neue Person fühlen

  • You don’t know Africa (aber du kannst es lernen)

  • Impf-Arme < Bernd-das-Brot-Arme

  • „Der Faschismus ist keine Weltanschauung, sondern eine Methode – deren einziges Ziel die Machtergreifung ist.“ Unbedingt sehenswert: die letzte Viertelstunde der 100. Anstalt.

  • Auf der unscheinbarsten Bank zwei Stunden sprudeln mit D. 

  • Um kurz vor Mitternacht schießt eine Crémant-Fontäne an die Decke. Ich bin verstört. Der Globus hat zu kaltes Licht.

  • Josh O’Connor guckt immerzu so, als wüsste er ein peinliches Geheimnis von dir. (Ich wüsste gern seins.)

So, und jetzt raus hier! Raus aus dem Internet, rein in den Sommer! Und schreib mir gerne mal deine romantischen Sommermomente – die, die du schon erlebt hast, oder die, die du noch einsammeln willst.

Deine Eva 💌

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P.P.S: Das Zettelkasten-Zitat stammt heute aus Kurt Tucholskys Sommergeschichte „Schloß Gripsholm“. Die lese ich fast jedes Jahr wieder und entdecke immer noch etwas Neues. Du findest sie für wenige Euro in vielen Antiquariaten oder gemeinfrei zum Download bei Projekt Gutenberg.

„Ja, was sollten wir wohl auf einem Urlaub erleben…? Ich dich, hoffentlich.“

— Kurt Tucholsky, „Schloß Gripsholm“