
Hallo! Willkommen zurück im „langsamen Internet“ ❤️
„Irgendwie interessiert und begeistert mich gar nichts mehr so richtig.“ Falls du diesen Satz zuletzt selbst mal gedacht hast, stimmt vielleicht einfach die Chemie nicht. Genauer: Dein Dopamin-System ist durcheinander.
Wenn wir über Algorithmen und Aufmerksamkeitsspannen diskutieren, darüber, wie viel Social Media gut für uns ist, ist ziemlich sicher irgendwann auch von „Dopamin“ die Rede. Aber was genau macht Dopamin eigentlich mit uns, wenn wir durch Instagram scrollen? Und wie wehren wir uns dagegen? Das beantwortet Olga Loiek, eine ukrainische Studentin der Kognitionswissenschaften, so gut wie ich es noch nirgendwo gesehen habe.
Das Beste: Man kann sein Dopamin-System schneller wieder regulieren, als ich gedacht hätte – nämlich schon innerhalb weniger Tage.
Das hat auch diese Newsletter-Ausgabe inspiriert, in der ich euch ein paar „Dopamin-freundliche“ Tipps für Inhalte geben will, die mich in den letzten Wochen begeistert haben. Olgas Erklärvideo war der erste, hier kommt nun
2. Eine Doku
An guten Tagen lege ich abends gegen neun mein Handy in 🙏🏼 einen 🙏🏼 anderen 🙏🏼 Raum 🙏🏼 und schaue noch eine Doku im Fernsehen. Diese hier war so beruhigend wie faszinierend. Wusstest du, dass es Orang-Utans gibt, die ihr Leben lang den Boden nicht berühren? Was machen sie da in den Baumwipfeln von Borneo? Ein Filmteam hat es beobachtet.
Die beste Version meiner selbst würde sich Bildschirme am Ende des Tages natürlich komplett sparen. Diese Eva liest stattdessen
3. Ein Buch
Die letzten zwei Abende habe ich das tatsächlich geschafft. Weil mich „Solange ein Streichholz brennt“ von Christian Huber direkt gepackt hat: Die Geschichte handelt von der jungen Journalistin Alina, die ihre Karriere retten will, indem sie eine Reportage über Obdachlosigkeit dreht. Dabei trifft sie auf Bohm, Mitte 30, der auf der Straße lebt und ein Geheimnis zu haben scheint. Welches? Frage ich mich jetzt schon seit gut 100 Seiten … (Nebenbei: Respekt für dieses krasse Blurb-Line-up 🤌🏼)
Aber ich bin längst nicht immer so vorbildlich unterwegs. Oft genug habe ich das Gefühl, nicht mehr wach genug zum Lesen zu sein – und versumpfe stattdessen auf Instagram. Aus „nur ein paar Minuten!“ werden eine Stunde oder zwei, und ohh, Überraschung … danach kann ich viel schwerer einschlafen als nach den Orang-Utans.
4. Eine Podcastfolge
Um mich vor Gedankenstrudeln zu bewahren, höre ich dann manchmal noch einen Podcast im Dunkeln. Vorzugsweise auf Englisch, weil ich bei Fremdsprachen einfacher wegdöse. So hat mich dieses Interview mit dem Schriftsteller Salman Rushdie jetzt mehrere Wochen lang begleitet.
Rushdie würde ich normalerweise nicht zum Einschlafen empfehlen. Er wurde 1989 vom iranischen Regime mit einer Fatwa belegt und musste sich fortan viele Jahre lang versteckt halten. 2022 überlebte er schwerverletzt einen Messerangriff. Seine Literatur ist anspruchsvoll, er gilt seit Jahren als Kandidat für den Nobelpreis.
Dadurch, dass ich immer wieder in die Folge reingehört habe – mal von Anfang an, mal willkürlich an der Stelle, an der der Sleep Timer sie zuletzt unterbrochen hatte –, sind mir immer wieder andere Sequenzen aufgefallen, die mir beim normalen Hören vielleicht durchgerutscht wären. In diesem Gespräch stecken so viele gute Geschichten und Gedanken, erstaunlich viel Humor und nicht zuletzt ein Satz, den ich am nächsten Morgen in meinen Zettelkasten übernommen habe: „Self-censorship is the worst crime. It's a crime against yourself.“
5. Eine schamlose Eigenwerbung
Manche nennen ihn den Helge Schneider unserer Generation: Marti Fischer ist ein musikalisches Multitalent. Egal ob eigene Songs oder wildeste Cover-Versionen, er bringt sie so unterhaltsam und in einem ganz eigenen Stil rüber, dass ihn allein auf Youtube über 860.000 Leute abonniert haben. Gleich zu Beginn der neuen Deutschland3000-Folge gibt es eine Kostprobe seiner Talente. Ich habe lange nicht so gelacht bei einem Interview!

„Atemlos durch die Nacht“, aber als Olli Schulz, bitte!
In derselben Folge habe ich aber auch noch einen ganz anderen, ernsthaften Marti kennengelernt. Wir sprechen über Gewalt gegen Frauen, über Martis Panickattacken und seine Alkoholsucht. Er erzählt, wie ihm seine Freundin das Leben gerettet hat und warum es manchmal vielleicht gar nicht so schlimm ist, wenn Lebensträume platzen.
Diese Woche habe ich mich unerwartet doll über die rot-gelben Trompetenblumen in J.s selbstgemachter Vase gefreut, ein Feuerwerk via Facetime verfolgt und meine Bildschirmzeit ist um 58% (??!) gestiegen.
Danke, dass du bis hier gelesen hast! Ich melde mich in 2 Wochen wieder 💌
Deine Eva
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„Almost everything will work again
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